Übersichtskarte

Drauflosreise

Freitag, 29.11.2013

Warum ich immer über die ausreisen schreibe, aber für erzählungen über meine reguläre arbeit so wenig raum inn diesem blog ist möchtet ihr wissen? Das wüsste ich auch gern, aber wahrscheinlich liegt es daran, dass es immer einfacher ist, von neuem, aufregendem, interessantem zu berichten, als vom 'alltag'. Und irgendwie ist die abwechslungsreiche arbeit bei PREDA, trotz aller diversität, das, was mir an alltag geblieben ist. Für den nächsten text werde ich aber etwas aus diesem alltag finden, das auch meine abwechslungsverwöhnte konzenteration und schreibmotivation fesselt. Versprochen! Aber genug des prätextes.

Thailand – dorthin hat es mich ende november auf meinem zweiten visumsbegründeten irgendwo-in-südostasien-rumreisenden Urlaub geführt. Und zwar allein - zuerst jedenfalls. Milena, die ich aus meiner liebstgewonnenen schauspieltruppe der letzten zwei jahre kenne, hat etwa vier monate dort verbracht und uns war die idee gekommen, uns zu treffen. Auf mehr plan was wir dort machen können hatten wir verzichtet, das kann mensch ja immernoch und besser dort entscheiden. Drum hab ich mich allen mit einem minivan-shuttle von dem ich nicht genau wusste ab und bis wohin genau er fährt von olongapo auf den weg nach zum flughafen clark gemacht und von dort aus den flieger nach bangkok genommen. Bis jetzt bin ich bei so weiten trips immer mit niels unterwegs gewesen und ein kleines bisschen aufregung war schon da – kurze gedankenszenarien, die darum kreisten, was nicht alles schief gehen kann – aber die waren schnell weggewischt und unter der vorfreude auf den trip begraben. Es hat dann auch alles wunderbar und wie am schnürchen geklappt, zusammen mit einem motoradtaxi-fahrer, mit dem ich mich nur über geradebrochenes englisch und viel lächeln verständigen konnte, und der (falsch) aufgeschriebenen adresse des hostels habe ich mich vom ende der flughafen-city schnellbahn stück für stück in den richtigen bezirk, dann zum richtigen block und schließlich ganz bis zum hostel vorgetastet. Als sich die aufzugtür von der straße zur lobby öffnete, stand mir unversehens milena gegenüber.

den restlichen und die nächsten zwei tage verbrachten wir in bangkok mit mehr oder weniger typischen touristenaktivitäten. Tempel und märkte anschauen, das echt verdammt leckere und endlich mal gut gewürzte thai essen an den allgegenwärtigen am straßenrand stehenden essensständen zu genießen, uns massieren zu lassen, wobei ich die idee mich einer knochenverknotenden thaimassage auszusetzen am nächsten tag unter schulterblattzerreissenden schmerzen bei jeder bewegung derselben im rückblick ganz anders beurteilte. Bangkok ist im punkto schmutz, gedränge, smog, verkehr, etc, also allem dem was mensch so mit asiatischen großstädten verbindet, recht übel, nach dem was ich so gehört hatte. Und tatsächlich war es nicht wirklich eine schöne stadt, da ich aber die zustände in manila gewohnt bin, war ich sogar positiv überrascht. Das mag natürlich auch daran liegen, dass wir uns vorwiegend in den touristischen bereichen aufgerhalten haben, von denen ich in manila noch recht wenig mitbekommen habe. Außerdem gefällt mir die typische thai-tempel architektur mit ihren ornamenten, farben und schnörkeln ausgesprochen gut. Besagte schnörkel und die geschichteten dächer finden sich auch an einigen anderen gebäuden der stadt (und der anderen teile thailands die ich erleben konnte).

- kurzer einschub: laut milena sind füße in thailand verpönt. Alles was damit zu tun hat, schuhe zB wird gerne auf seite geschoben. Also vor betreten eines hauses immer schuhe aus, selbige besser nicht außen an den rucksack hängen und auf keinen fall die füße auf den tisch oder ähnliches legen...hab meine eigenen auf dem schiff in ein diesbezügliches fettnäpfchen gestellt. sieht natürlich wie immer bei so geschichten nicht jede und jeder so eng, dort war es allerdings ein wenig peinlich -

Gewohnt haben wir seit der zweiten nacht in einem kleinen urgemütlichen familiengeführten guesthouse, das wir nebst einer ziemlich netten jazzbar auf unserem streifzug durchs khaosan viertel in der ersten nacht entdeckt hatten. Dieses viertel ist ziemlich touristisch, mit jeder menge hostels und die namensgebende khaosan strasse ist ein einziger markt für klamotten und andenken. Der großteil der leute die mir entgegenkamen waren mehr oder weniger hippie-alternativ ausssehende europäer und amerikaner und an jeder ecke konnte mensch leute deutsch sprechen hören.

Das war eine ziemliche umgewöhnung, da in olongapo und umgebung, mit ausnahme der PREDA freiwilligen kaum weiße unterwegs sind, und wenn, dann handelt es sich um schmerbäuchige ältere herren die ganz gerne mal mit einer jahrzehnte jüngeren filippina im arm herumlaufen. Besagtes klientel hatte auch den großteil der flugpassagiere von clark nach bangkok ausgemacht, während dem ich mir gespräche von sextourist zu sextourist über die besten orte „zum party machen“ anhören durfte, inklusive vergleiche zwischen thailändischen und filippinischen barmädchen. Das erste mal dass ich auf einem flug fast gekotzt hätte... aber zurück zu erfreulicherem:

Die Tempelanlagen des Wat Pho waren verwinkelt und boten eine zum verirren einladende vielheit von statuen, skulpturen, kleinen schreinen, mauern und durchgängen, bäumen, blumen, hoch hinausragenden sich nach oben hin verjüngenden ziersäulen und tempeln mit beachtlich großen buddhastatuen. Die beeindruckendste hier war der auf der seite liegende buddha, der auch die hauptattraktion des wat pho ist. ein gigantisches kunstwerk umgeben von eimem prachtvollen über und über bemalten tempel.

Die linienschiffe auf dem Chao Phraya fluss nutzten wir um einen größeren überblick über die stadt zu bekommen als wir uns hätten erlaufen können. Von unserer station gings bis ganz in den norden, auf dem weg sehen wir zB die Flussflotte des thailändischen militärs, einige weitere tempel und schreine, das elektrizitätswerk und und und…. angekommen dann ne dreiviertelstunde herumspazieren und sich den riesengroßen markt anschauen, auf dem die verkaufsbereiche für fertiges essen, nahrungsmittel in roher form, inklusive diverser schildkröte frösche und schlangen, sowie für kleidung, schmuck, quietschbunte plastikassecoirs und sonstigen kram in einander übergehen. Dann ganz bis in den süden, vorbei an den großen tempelanlagen hinein ins moderne bangkok wolkenkratzer überall und der fluss ist von luxushotels mit eigenem bootshuttelservice gesäumt.

Den letzten abend in Bangkok haben wir in einer bar mit ziemlich guter livemusik im khaosan viertel verbracht und dort einer spontanen eingebung folgend unseren am selben tag erst getroffenen weiteren reiseplan wieder über den haufen geworfen. Wir wollten nach kanchanaburi, den ort der berühmt gewordenen brücke über den kwai und von dort aus weiter bis zur burmesischen grenze fahren, was uns einer unserer mitgäste im apple guesthouse empfohlen hatte.

Am nächsten tag saßen wir dann aber im flugs umgebuchten bus in die hafenstadt trat, am anderen ende von thailand, in der nähe von cambodia. Ein netter ruhiger ort, zumindest ruhig bis der himmel und die strommasten sich bei sonnenuntergang auf einmal mit kleinen schwarzen vögeln mit weißer flügelunterseite füllten, die die luft mit einem kontinuierlichen dauergezwitscher und -gepiepe erfüllten und an assoziationen zu hitchkock auslösten. Der lonely planet brachte licht in die dunkelheit: wegen ihren eiern werden diese vögel seit den 90ern sozusagen gezüchtet. Sozusagen, weil einfach sämtliche oberen stockwerke der stadt als nistplätze ausgebaut wurden und die viecher dort frei leben und sich vermehren. Mittlerweile ist die lärmbeslästigung wie gesagt enorm, loswerden kann mensch die vögel allerdings nicht mehr, klappt mit den tauben anderswo ja auch nicht. Von Trat aus fuhr am nächsten morgen die fähre nach ko kood, unserem eigentlichen ziel und der insel auf der milena 2 monate lang in einer tauchbasis gearbeitet hatte.


Ko Kood ist eine bilderbuch-paradiesinsel mit allen schikanen, ohne jedoch vollkommen ballermannmäßig überlaufen zu sein, wie etwa die nachbarinsel Ko Chang (zumindest hab ich das oft gehört). Und tatsächlich: wuchernder grüner urwald, tiefblaues und türkises wasser, weiße strände unter palmen... wie aus dem prospekt geschnitten. Den ersten abend saß ich bei sonnenuntergang abseits am strand und habe einfach nur genossen an diesem moment genau dort zu sein und nichts anderes zu tun außer den genuß zu spüren. Die seele baumeln lassen wie mensch so schön sagt.
Die tawan bar war für unseren aufenthalt auf der insel unser zuhause. Eine von ihrem besitzer, wirt und freund von Milena, Jong, selbst gemauerte und gezimmerte Reggaebar, in der wir bei den täglichen verrichtungen, essen vorbereiten an der bar rumwerkeln und abends grillen und gäste unterhalten mitgeholfen haben. Das war ziemlich lustig und ich habe eine menge sehr netter und entspannter menschen kennengelernt. Einen abend hatten wir auf einmal eine ziemlich lustige feier in der bude, da ein russisches päärchen ihren 23. jahrestag hatte und die gesamte bar an ihren tisch und zum trinken einlud. Die dichte von deutschen und russischen urlaubern auf der insel war insgesamt ziemlich hoch, mir sind kaum ausnahmen begegnet, von den anderen bar und hotelbesitzern hörten wir ähnliches.

Weil es mir auf der insel verdammt gut gefiel hab ich mich dazu entschlossen, erst am selben tag, an dem auch mein flug ging die morgentliche und leider nur einmal am tag verfügbare fähre zum festland zu nehmen. Abfahrt um 10, flug um 18 uhr. Der ganzen weg mit dem taxi zur fähre, mit der fähre selbst, mit dem taxitruck zur busstation in trat und mit dem minivan nach bangkok war begleitet von der ungewissheit, ob ich den heimflug überhaupt erwischen würde. Seltsamerweise war ich trotzdem nicht nervös und kam perfekt getimed um 17h am flughafen an. Einen dreistündigen flug, erneut zwischen prahlenden touristen der dubiosen art, später war ich wieder auf den philippinen.

Die rückfahrt nach olongapo gestaltete sich allerdings schwierig. Trotz beteuerungen von verschiedenster seite, inklusive eines busbahnhofsmitarbeiters mit dem ich mich großteils auf tagalog zwei stunden unterhielt, fuhr der minivan doch nicht mehr. Um 11.30 nachts war ich am busterminal und bekam die info der van käme um 2. also warten. Irgendwann überkam mich die müdigkeit und ich konnte mich dankenswerterweise in einen anderen abgestellten van legen und eine stunde schlafen. Der van war dann auch tatsächlich da, weshalb ich mich jetzt dorthineinlegte, im vertrauen, er würe schon irgendwann losfahren. Das tut so ein van immer dann, wenn genügend passagiere da sind, damit die fahrt sich lohnt. Um 3 waren 9 von 12 sitzen besetzt, als ich um 4 nochmal nachschaute waren es 11. die leute stiegen allerdings immer wieder aus und ein, und um 6 wurde mir klar, dass ein großteil der vermeintlichen mitreisenden auch mitarbeiter des busterminals waren. Passagiere waren, inklusive mir, erst 3 da. Naja, dachte ich mir, jetzt ist morgen, da kommen bestimmt bald andere – falsch gedacht. Die minivans in andere richtungen füllten sich und fuhren ab, nur nach olongapo wollte scheinbar niemensch außer mir. Um 7.30 entschloss ich mich, stattdessen den bus zu nehmen und in san fernando umzusteigen, was zwar knapp 3 statt gut eine stunde braucht, mich aber entlich wieder in bewegung setzte.

Nach einer kalten dusche und der seit einer woche wegen rasierklingenverbot im handgepäck ausgesetzten rasur fing ich um 11 mit der arbeit an. trotz schlafmangel gut drauf und von der erfrischenden spontaneität und abwechslung im urlaub erholt.

und so grüßt euch jetzt ganz entspannt aber wieder aus der arbeits'routine' heraus

ich

beruhigende randnotitz

Freitag, 08.11.2013

ich glaube der aktuelle taifun hat es bis in die westeuropäischen medien geschafft und das was ich bis jetzt davon (übers internet) mitbekommen habe ist das auch ein ganz schöner feger. ich bin hier aber ausserhalb der primären schusslinie. im moment regnet es noch nicht einmal, olongapo ist diesmal maximal ausläuferzone. nochmal glück gehabt.

das erdbeben das es vor 2 wochen gegeben hat hat uns übrigens auch nicht tangiert, alles auf den visayas, viel weiter im süden.

wegen sturm und regenwarnung wird es dieses wochenende aber wohl aktivitätentechnisch ruhig zugehen. wenn der strom mitspielt, werd ich mich mal ans bereits begonnene aufarbeiten der letzten zeit für die geneigte leserschaft dieses blogs begeben.

und dann hört ihr mal wieder von

mir

bis denne und machts jut

ich

zwangsgereise

Mittwoch, 06.11.2013

und hier reichlich verspätet: die tripbeschreibung nach malaysia von ende september. mehr demnächst

Wie schonmal nebst den anderen formalia erklärt habe die philippinen etwas umständliche restriktive und teure einreise und aufenthaltsbestimmungen. Alle zwei monate heißt es entweder raus aus den philippinen oder es wird mächtig teuer...

von der kohle kann mensch sich auch nen schönen urlaub machen, haben wir uns gedacht, also sind Niels und ich zusammen mit zwei anderen freiwilligen, Maike und Julia, die wir übers eine-welt-netz kennen über ein durch überstunden abfeiern selbstverlängertes wochenende in den malayischen teil borneos, nach kota kinabalu geflogen.

Freitagabend im stau nach manila kamen uns mit dem näherrücken des abfluges ernsthafte zweifel ob wir nicht doch früher hätten losfahren sollen – ich hatte mich sogar schon mit dem gedanken arrangiert den flug zu verpassen. -Ich bemerke an mir selbst eine gelassenheit, die ich in deutschland nie so wahrgenommen (und vielleicht auch nicht besessen habe). Stau, Flut, Stromausfall, das sind so geschichten, die sich wichtigen und geplanten unternehmungen hier gelegentlich in den weg stellen. ich scheine mich schon etwas dran gewöhnt zu haben. Sich darüber aufregen hilft ja auch nicht weiter, da ists lustiger das ganze mit humor zu nehmen- aber das nur nebenbei, im endeffekt gings dann doch schneller als erwartet und wir haben den flug bequem erreicht.

niels und ich hatten uns per couchsurfing einen kontakt in kota kinabalu beschafft. Das konzept der sache ist simpel, wenn du bereit bist reisende bei dir übernachten zu lassen, trägst du dich auf einer website ein, kurzbeschreibung von dir und deiner wohnung. Wer auch immer in deiner gegend auf der suche nach einer unterkunft ist kann sich bei dir melden und eine absprache treffen. Mitmachen kann jede und jeder, das ganze beruht aber auf gegenseitigkeit. Der reiz liegt darin neue leute aus aller welt kennenzulernen, für uns als besucher locken zusätzlich kostenlose unterkunft und ortskundigkeit des gastgebenden.

Wir haben ein unglaubliches glück mit unserem menschen gehabt: er hat uns ungefragt (!) mit einem geliehenen (!!) auto um ein uhr morgens (!!!) abgeholt und sogar die andern beiden noch am hostel abgesetzt, das in der komplett anderen richtung lag (!!!!). bei ihm zuhause haben wir ein bequemes bettenlager bereitet gefunden, einen schlüssel (!!!!!) und die einladung bekommen, sich ganz wie zuhause zu benehmen, herd, vorräte und alles was er so hat mitzubenutzen (!!!!!!!!!!!!!!)
-ja, ich denke so viel großzügigkeit verdient eine menge ausrufezeichen- couch zu surfen war definitiv eine von den besseren ideen!

den samstag hatten wir als stadtdurchstromer-tag geplant, von der herberge der mädels aus über den hafen und den markt bis zu den diversen religionszentren der Stadt. Was auf der karte nach einem bequemen zu fuss ausflug aussah entwickelte sich in der realität denn zu einer ausgewachsenen wanderung durch kota kinabalu. Mit großen städten, besonders in asien verbindet mensch (wir 4 zumindest) ja häufig einen von menschenmassen überlaufenen smogdurchfluteten betondschungel, so hatten wir alle zum beispiel manila erlebt, Maike und Julia sogar jeden tag seit anfang august. Nicht so kk, das zwar architektonisch wenig zu bieten hat (nach dem 2. weltkrieg wurde die stadt so gut es ging und mit wenig ästhetischem anspruch wieder hochgezogen), dafür eine entspannte atmosphäre und nebst einer frischen meeresluftigen salzbrise natur in der stadt bietet. Bewaldete hügel auf der einen und das meer, inklusive einiger strände auf der anderen seite des stadtkerns. Und bäume büsche wiesen überall ins stadtkonzept einbezogen.

Aus dem die beeindruckenden moschee umgebenden garten/parkplatz wurden wir nach eintrittserlaubnisanfrage einiger sich im eingangsbereich der vorgebetlichen waschung unterziehenden gläubigen mit ein paar eindeutigen und nicht wohlgesonnenen blicken wieder herauskomplimentiert. Ganz anders die reaktion im sikhtempel auf der anderen seite der kreuzung. Durch unser offensichtliches stören zuvor in der annäherung an einen jemenschem heiligen ort doch etwas vorsichtiger geworden, verkündete uns das durch bart und turban eingerahmte breite lächeln das uns dort erwartete, dass hier mit gästen anders umgegangen wird. Besagtes lächeln wurde noch gesichtserfüllender als wir einige fragen zum sikhismus stellten, von dem ich wirklich keine ahnung hatte. Fünf minuten später saßen wir mit gewürztee und crackern mit einigen der gemeindemitgliedern im offenen kochbereich und erzählten. Wir von unserem einjährigen freiwilligendienst, sie von tee, gastfreundlichkeit und vegetarischem mittagessen für alle am nächsten tag. Dann gab es noch die empfehlung wegen des schönen wetters an den strand zu gehen und ehe wirs uns versahen saßen wir im gemeindeauto und wurden zum schönsten strand der gegend gefahren. Das also, dachten wir uns, ist sikhismus. nett!

Der strand war jede mintute des dreiviertelstündigen fusswegs den wir auf dem rückweg dann doch ohne räder zurücklegen mussten total wert. Offenes meer, nicht enden wollender strand und endlich mal wellen die diese bezeichnung verdienen. Also rein da, trotz fehlenden handtuches und mit dem boxershorts-badehosenersatz. Zum ausklang des wandenmuskelverkaternden tages gab es noch eine pizza in einem völlig überfüllten weil zum anbeißen leckeren italienischen restaurant. Das erste europäische essen seit einer ganzen weile, das meinen käsebedarf wieder für eine weile gesättigt hat. Die rückfahrt zu unserem couchbesitzer gestaltete sich leider etwas schwierig, da in kk ab 20 uhr keine busse mehr fahren. Zudem war es schwierig diese, wie überhaupt insgesamt irgendwelche, informationen zu bekommen. Der genuschelten antwort "please go away" standen wir das wochenende genauso häufig gegenüber wie einem hilflosen lächeln des oder der angesprochenen. Laut unseres gastgebers sind gute englischkenntnisse etwas rar gesät, weshalb sich einige leute schlicht nicht trauen sich auf ein gespräch in dieser sprache einzulassen.

Eine tour auf die direkt vor kk gelegene insel manukan war unser ausspannplan für sonntag. Um unsere ruhe zu haben mussten wir uns jedoch in die letzte ecke des strandes dieses touristisch komplett erschlossenen eilandes verkrümeln. Entspanntes planschen und am strand liegen bis leider das wasser in form eines regengusses anfing uns aus der falschen richtung nahe zu kommen und es auch zu kalt wurde um einfach im wasser zu bleiben. Also auf unters schützende blätterdach des bedschungelten hügels, der jedoch einem zoologischen tropenhaus enttäuschend nahekam, bis auf die tierischen teile eines solchen. Mit gemauerten wegen und insgesamt gebändigter erscheinung reichte dieser wald irgendwie nicht ganz an diejenigen heran, die wir von den philippinen schon kannten. mit touristischer aufmachung verlilert das ganze leider etwas an authentischer attraktivität... schön wars trotzdem.

Der letzte tag reichte dann leider für die kletterpflichtige erkundung des mount kinabalu nationalparks nicht mehr aus, da für die besteigung des berges etwas mehr zeit hätte eingeplant werden müssen. Stattdessen 'erstiegen' wir den museumshügel der einiges der heimischen flora auf sich versammelt hatte und mit nachgebauten häusern diverser indigener gruppen borneos die geschichte der zivilisation der insel zu erzählen versuchte. Um diese jedoch wirklich nachvollziehen zu können hätten wir wohl das leider unser budget übersteigenede eigentliche museum betreten müssen. Von den letzten tagen des durch-die-gegend-laufens dann doch geschlaucht entschieden wir uns die zeit bis zum abflug um 2 uhr morgens einfach in einem cafe-restaurant an der wasserkante mit quatschen lachen austauschen und entspannen zu verbringen.

Nach einem verschlafenen flug kamen wir um 4 wieder in manila an, bis wir es allerdings durch die einwanderungskontrolle, mit dem taxi zur busstation und von da aus zurück nach olongapo geschafft hatten, war es wieder 10 uhr – hervorragende zeit für ein spätes frühstück vor dem schlafengehen. Und auf dem weg war uns inmitten der vielen lächelnden philippin@s aufgegangen, dass wir das freundliche gewusel hier und unsere leute bei preda auch schon nach drei tagen etwas vermisst hatten.

appetithäppchen

Freitag, 01.11.2013

Hallo zusammen, das wichtigste vorweg: es gibt mich noch und leben tue ich auch. Sogar so sehr dass ich vor lauter leben das lebenszeichen geben vollkommen vergessen habe. Das dilemma in dem ich mich befinde sieht folgendermaßen aus: ich bin hier 24/7 mit arbeit, freizeit, freunden, klienten, eindrücken, sprache, land, leuten, reisen, lernen und zwischendurch mal dem bitter nötitgen und chronisch zu kurz kommenden ausruhen zugange, das ganze zu sortieren und dann auch noch halbwegs verständlich zu (digitalem) papier zu bringen hat bis jetzt mit dem ganzen erleben einfach nicht unter einen hut gepasst. Aber heute, hab ich mir gedacht, nimmst du dir die zeit. Langes wochenende, mal etwas zeit...

denkste – in ner stunde geht die nächste aktion mit den jungs los und morgen fahren wir mit den freiwilligen ans meer, mal zwei tage rauskommen.

Dies ist also nur prätext – buchstabenvorspeise - und das versprechen, dass es sehr bald wieder lesenswertes hier zu bestaunen gibt. Denn zu berichten gibt es, wie vielleicht zwischen den zeilen herauszulesen war, mehr als genug. Aber das nur um euch den mund wohlweislich schon einmal zu wässern.

Einsaz in den Bergen

Donnerstag, 19.09.2013

Letzte Woche hatten wir in einer indigenen Gemeinde, den Aetas in PAPAHT, einen Kennenlern und Häuserbauhelfeinsatz. Einen Bericht darüber findet ihr auf der Website von Preda:

http://www.preda.org/en/newsitems/a-volunteers-account-of-an-immersion-experience-at-papaht-aeta-community-botolan/

und in der deutschen Fassung:

http://www.preda.org/de/news/einsatz-in-der-aeta-community-papaht/

lässt bald wieder von sich hören

ich

ein überfälliges lebenszeichen

Montag, 16.09.2013

und nach langem ereignisgefülltem virtuellem schweigen meinerseits melde ich mich mal wieder. hallo- es gibt mich noch und es geht mir ausgezeichnet. ich habe im moment einfach ständig und stetig zu tun und zu entdecken. PREDA hat derartig viele projekte und zurzeit quasi ständig spezielle aktionen, dass ich hier auch nach einem monat noch überhaupt keinen arbeitsalltag habe. alles gesehen hab ich bei weitem auch noch nicht. soll sich wohl mit der zeit alles beruhigen, im moment wirds aber eher mehr. PREDA bietet so viele betätigungs’baustellen‘, jede davon ist ziemlich wichtig und die meisten auch mächtig spannend. ich sehe das qual-der-wahl dilemma auf mich zukommen. außerdem komme ich kaum bis garnicht dazu für euch mal was aufzutippen, naja, jetzt hab ich die zeit doch mal gefunden. fangen wir mit dem an, was mal eine art alltag werden könnte:

jeden morgen gibt es ein morningmeeting, bei dem feedback zu vergangenen aktionen gegeben und die kommenden tage besprochen werden. so hat mensch immer einen guten überblick über das was passieren wird/soll. die kommeneden tage, meistens die nächsten 4-5 werden jeden tag durchgegangen, was aber wegen den häufigen planänderungen absolut sinn ergibt. dann hält father shay einen sermon, zu spirituellen, gesellschaftlichen oder tages- und weltpolitischen belangen, ab und an auch alles durcheinander. viele themen finden sich dann in seinen nächsten artikeln wieder. davor und/oder danach wird eine bibelgeschichte vorgelesen, auf tagalog und auf englisch, was eine gute verständnisübung ist. meistens sind es ziemlich bekannte moralische passagen, die selbst ich bibelignorantes heidenkind kenne, der gute samariter, der sturm auf dem see genezareth, das senfkorn… der sermon wird häufig in bezug zur passage gesetzt. abschließend gibt es das obligatorische vaterunser und ein paar sekunden stille um uns auf die wichtigkeit unserer mission zu konzentrieren, und dann geht die  „ACTION!“ los, eingeleitet vom enthusiastischen ausruf des fathers inklusive in die hände klatschen.
montags ist nach dem morningmeeting das freiwilligentreffen, wo alle unsere belange, ideen, probleme, pläne, usw mit unseren ansprechpartnern/vorgesetzten offiziell besprochen werden können.  dienstags und donnerstags haben wir tagalogunterricht, der mir total spaß macht und das was ich so ständig mitbekomme und dazulerne nochmal erklärt und theoretisch unterfüttert. ich verstehe immer mehr und versuche immer erfolgreicher das was ich selbst ausdrücken kann auch in tagalog loszuwerden. verständnismäßig hangele ich mich an einigen mir bekannten herausstechenden worten entlang und versuche daraus einen sinn zu basteln. wenn ich angesprochen werde klappt das aber noch selten  gut genug, beim nichtexklusiven zuhören geht es wesentlich besser.

geplanterweise fahre ich montags mittwochs und freitags zum Bukang Liwayway - Home For Boys. der weg kostet erstmal einiges an zeit, 1h pro strecke ist minimum. im zentrum selber können wir an der außerschulischen bildung mitarbeiten, also unterricht in mathe englisch naturwissenschaften oder geschichte geben. gerade schauen wir uns das ganze noch an, sollen aber auch schon ein thema vorbereiten und dann eigenständig unterrichten, unterstützt von einem nicht lehrenden mitarbeiter. es gibt verschiedene level, highschool, grundschul und grundlagen. den jüngeren muss erstmal lesen, schreiben und rechnen nähergebracht werden. auch motivation wachzurufen und -zuhalten, schule und bildung wertzuschätzen zu ist wichig. die meisten wollen wirklich lernen und nehmen regelmäßig am unterricht teil. einer von den jüngeren, seit etwa einem monat im zentrum, wollte anfangs nichts mit schule zu tun haben. zwang wird bei preda nicht eingesetzt, eine sozialarbeiterin hat viel mit ihm gesprochen und vereinbart, dass er dann hingeht, wenn er möchte. mittlerweile hat sein enormer aber frustrationsanfälliger ehrgeiz ihn gepackt und  er ist regelmäßig dabei.
einige der jungs arbeiten parallel auch auf der farm. wer am unterricht teilnimmt und wer arbeitet wechselt, was die kontinuität der bildung und die planung der stunden etwas komplizierter macht. beides ist aber freiwillig und die arbeit wird entlohnt.
nachmittags gibt es eine wertevermittlungs sitzung, methodisch sehr gemischt, wo es um umgang miteinander, menschlichkeit, selbstbehauptung, drogenprävention, zukunftsplanung, undsoweiterundsofort geht. ich habe mit kim, der deutsch und tagalog spricht, letztens eine stunde zu selbstbehauptung geplant und geleitet. erst haben die jungs ihre erfahrungen geteilt, über situationen in denen sie sich gegen anforderungen und ansprüche durchsetzen mussten oder besser durchgesetzt hätten. laut kim, ich habe die jungs leider nicht verstanden, habe einige wirklich persönliche geschichten ausgepackt. danach wurde in kleingruppen eine situation improvisiert durchgespielt. drogen nehmen in einer gruppenzwangsituation, eine falsche anschuldigung durch die polizei und ein angebot von polizisten, für sie zu stehlen und dafür nicht in den knast zu wandern. –gibt es hin und wieder tatsächlich-  die vorführungen waren echt beeindruckend, einmal vom ausdruck her – die punktellen theaterworkschops merkt mensch doch vielen an – und inhaltlich ebenfalls. die gruppe mit der falschen anschuldigung hat die situation durch herbeiholen von zeugen gelöst und bei der drogenszene haben im endeffekt die drei süchtigen das drogennehmen aufgegeben und ihr leben begradigt, nachdem der vierte ihnen die auswirkungen von drogen erklärt hatte. ich war mir nicht sicher, ob das jetzt aus ehrlicher überzeugung kam oder ob da eher ein paar pfiffige jungs uns das geliefert haben, was gut ankommt.
Später können wir freiwilligen nach absprache selber programm erstellen das uns liegt und spaß macht. mit jan biete ich kampfsport –muay thai-  für die älteren an. die bewegung und das auspowern des ganzen körpers tut den meisten ziemlich gut, kampfsport finden sie eh cool und sind dementsprechend auch ziemlich motiviert und voll dabei. wir planen, eigene boxsäcke zu bauen und haben im moment nur zwei kleine boxpads. Trotzdem können sie daran die techniken mit kraft einsetzen und nebenbei ihre wut herauslassen. in vielen hat sich davon einiges aufgestaut, spuren von missbrauch, vernachlässigung oder dem harten umgang in knästen bzw auf der straße. zur situation der jungs: es ist eine sehr heterogene gruppe, was ihre lebensgeschichte angeht. söhne ziemlich bis weniger armer familien aus manila oder ländlichen gegenden in zambales und den umliegenden provinzen, straßenkinder, die vom hunger getrieben diebstahl begehen, opfer von zur-falschen-zeit-am-falschen-ort-sein, einem jungen wurde  sogar vom onkel seines freundes eine vergewaltigung in die schuhe geschoben. kleine bagatelldiebe, aber auch ein paar wenige mörder und vergewaltiger, die die taten definitiv begangen haben. das sind die schwierigen fälle, die sich PREDA auch nicht aussucht, sondern vom gericht zugewiesen bekommt. mitlerweile erwehrt sich PREDA dieeser anweisungen aber immer erfolgreicher. an sich ist das programm für andere fälle gedacht. zwischen den aktivitäten lese ich die akten der jungs, die infos zu den fällen und zur entwicklung im zentrum beinhalten. mittlerweile schue ich mir aber nur noch die akten derjenigen an, mit denen ich schon engeren kontakt hatte, bzw wo ich zum namen ein gesicht und einen eindruck habe. ich bin mir nicht sicher ob ich einigen sonst unvoreingenommen und unbefangen gegenübertreten könnte. und ich finde einen persönlichen ersten eindruck auch so viel sympathischer und angemessener.

zum jungsprojekt: auszug aus einer beschreibung des Children in Conflict with the Law projekts (CICL), auf deutsch kinder im konflikt mit dem gesetz, über das das jungszentrum läuft. ab hier bin ich erstmal nur übersetzer und nicht autor:

Das PREDA Projekt will ungerechterweise eingesperrten Kinder und Jugendlichen die Freiheit wiedergeben. Es will außerdem das System ändern, das Kinder hinter Gitter steckt. Viele sind komplett unschuldig, ihnen wurde das Verbrechen bloß angehängt, Opfer von Verwechselungen oder haben Bagatelldelikte begangen, sehen sich aber Anschuldigungen schwerer Verbrechen gegenüber.

und zu den konkreten maßnahmen (die selbe quelle):

Befreiung und Therapie: rechtliche Schritte die zur Freilassung führen

1.       Je ein Sozialarbeiter und eine juristische Hilfskraft von PREDA besuchen die Gefängnisse und Jugendstrafanstalten in Metro Manila und Zentralluzon. Sie identifizieren die jüngsten und verletzlichsten Minderjährigen -Jungen und Mädchen- und recherchieren deren Fälle und die Anklagepunkte.
2.       Sie beantragen ihre Verlegung ins PREDA Kinder- und Jugendzentrum bei Richter oder Staatsanwaltschaft.
3.       Wenn nötig erscheinen sie vor Gericht, wenn über den Antrag beraten wird und holen die Unterschrift der oder der Richter ein. Mit der Genehmigung des Antrags verlangen sie von den Gefängniswärtern die Entlassung des Kindes in die Zuständigkeit von PREDA.
4.       Sie kontaktieren die Verwandten des oder der Minderjährigen und arrangieren deren Präsenz im Gefängnis am Tag der Entlassung. Die Eltern sind eingeladen ihr Kind auf der Fahrt zum Zentrum zu begleiten.
5.       Sie begleiten das Kind zum PREDA Fahrzeug, sorgen für eine Mahlzeit und fahren es zum Zentrum für „Kinder im Konflikt mit dem Gesetz“ (CICL).

Neues Leben im PREDA Kinder- und Jugendzentrum
 
6.       Wenn sie im PREDA-Zentrum ankommen werden sie von den anderen Kindern und den Mitarbeitern willkommen geheißen, ihnen wird das Gefühl vermittelt, als Teil dieser Familie akzeptiert und respektiert zu werden und ihnen werden Kleidung, Hygieneartikel Bettwäsche und andere benötigte Gegenstände ausgehändigt.
7.       Dann werden sie den anderen Kindern vorgestellt über ihre Rechte und Pflichten im Zentrum aufgeklärt, das sich in einem villenähnlichen Gebäude mit Büro- und Gemeinschaftsräumen und Platz für bis zu 70 Kinder befindet. Es liegt in einer ländlichen Gegend inmitten einer ökologisch operierenden Farm und ist umgeben von Reisfeldern und Hügeln.
8.       Es gibt weder Wachen noch Zäune. Die Kinder und Jugendlichen haben die Wahl zu gehen, die meisten können jedoch vom zum Bleiben überzeugt werden. Mehr als 90 Prozent beginnen mit dem  Genesungs-, Therapie- und Bildungsprogramm für ein besseres Leben und neue Perspektiven. In den kommenden Wochen und Monaten nehmen sie an gruppendynamischen, sportlichen und Freizeitaktivitäten teil. Es gibt ein Personal aus 13 Sozialarbeitern, Lehrern und Therapeuten.
9.       Ihre Eltern und Familie werden zu speziellen Familientherapien und Aktivitäten eingeladen.
10.   Im Gericht wird die juristische Arbeit fortgesetzt, um ein Fallenlassen der Anklage zu erwirken, was im Durchschnitt 18 Monate braucht.
11.   Die Kinder erhalten eine auf ihr Alter und ihre Bedürfnisse zugeschnittene Bildung.
12.   Wenn ihre Prozesse abgeschlossen sind, wird ein Reintegrationsplan durchgeführt
 

…soviel zum projekt, jetzt wisst ihr bescheid.

in kontakt mit den jungs zu kommen ist ziemlich einfach, weil die meisten direkt auf mich zukommen. rumalbern und faxen machen geht immer, für tiefere und persönliche gespräche, eigentlich für richtige gespräche allgemein reicht mein rudimentäres tagalog einfach nicht. die älteren können teilweise englisch sprechen, allerdings stark akzentgefärbt und holprig. der akzent ist auch bei ein paar kollegen ein mehr oder weniger großes problem, weil er sich doch ziemlich von meinem akzent unterscheidet. miss- und nichtverständnis kommt vor, aber eher selten. bin ziemlich froh, dass ich soviel unterricht auf englisch hatte und mir die sprache so vertraut ist.

zurück zum ‚alltag‘: nach dem kickboxen ist meistens schon schluss für den tag, gegen 4.30-5 uhr mach ich mich auf den langen heimweg. abendessen gibts um 7.
neben dem boyshome sollen wir vor allem da arbeiten, wo wir ganz exklusiv etwas beitragen können: übersetzen. wegen den vielen deutschen partnern hat preda ja auch eine deutsche website, die aktuell gehalten werden möchte. father shay hat eine wöchentliche kolummne in einer großen zeitung und ist sehr bestrebt, sie auch übersetzen zu lassen. die website ist außerdem höchst überarbeitungswürdig, ein ziemliches mammutprojekt. außerdem sollen wir den deutschen preda facebookaccount pflegen, was bis jetzt aber ganz unten auf der langen prioritätenliste steht. dankesbriefe und projektanträge, rundbriefe und berichte von aktionen gibt es dann auchnoch… unterbeschäftigt bin ich nicht. meistens nehm ich mir einen text für die jeepneyfahrt zum boyshome mit, aber zum abtippen komm ich dann leider erst viel später. jede woche steht auch ein bericht über das an was wir gemacht haben, zusatzberichte über besondere aktionen, dieser blog, derjenige, den ich für den tatort-verein schreibe, reflektionen für weltwärts, usw usf. an sowas arbeite ich viel außerhalb der regulären arbeitszeit – habe in dem einen monat den ich hier bin schon etwa 5 tage -43h - überstunden gesammelt, die ich fürs visabedingte ausreisen auch gut gebrauchen kann. der erste trip steht in 2 wochen an, nach kota kinabalu, malaysia.

soviel erstmal von mir, zu den vielen unerwähnten erlebnissen schreib ich vielleicht demnächstz was, oder ich verlinke die texte, die ich für die predawebsite verfasse.

bis denne sagt euch gut gelaunt grüßend

ich
(wer hätte das gedacht!)

 

beschäftigendes

Sonntag, 25.08.2013

_ich führe hier einen ewigen kampf gegen einen unsterblichen feind und seinen omnipräsenten alliierten. vergleichbar mit einer hydra wachsen im abgeschlagene körperteile erneut nach, scheinbar aus dem nichts. ihr kennt dieses pelzige biest vielleicht aus eurem vorratsschrank, hier kann es überall auftauchen – gemeint ist der wegen der lauen luftfeuchtigkeit wuchernde schimmel. egal was ich auch mache - dinge aus schränken rausräumen, sie in andere wieder reinräumen, in den flur stellen, ventilator auf dauerdurchpusten stellen, die chemiekeule in gestalt von desinfektionsspray übersrapazieren – alles nutzlos. neue taktik: zermürbungskampf, defensive, mich-belagern-lassen und auf das ende der regenzeit warten. bis dahin heißt es ca 2mal pro woche rucksack, hüfttasche, kulturbeutel, koffer und was da sonst grad noch als pilzsubstrat dient mit dem schwamm oberflächlich säubern, zum trocknen aufhängen und den mut und die waschwut nicht sinken lassen_

neues zuhause

Mittwoch, 21.08.2013

Mittlerweile bin ich schon eine gute woche auf den philippinen und eine knappe woche bei preda. Ich bin insgesamt total begeistert! Meine kollegen, vorgesetzten und die kids sind super freundlich und geben mir garkeine gelegenheit, mich unwohl, nicht wilkommen oder nicht akzeptiert zu fühlen. Allerdings machen mir klima und jetlag schon zu schaffen, wahrscheinlich sogar in verhängnisvoller allianz. habe die ersten 3 nächte komplett schlaflos verbracht, seitdem schlafe ich unruhig und mal mehr mal weniger. Insgesamt bin ich jetzt platter als beim garnicht schlafen. Aber das wird sich demnächst wohl geben, andere freiwillige haben scheinbar die gleiche erfahrung gemacht. Genau: es gibt noch eine reihe besucher und anderer freiwilliger außer  uns 4 weltwärts-leuten bei preda. Jan und die zwillinge christin und karolin aus deutschland, die 3 bleiben bis januar, khim, auch aus deutschland bleibt aber nur bis september. Außerdem ist gerade eine 6köpfige besuchergruppe aus barcelona da, alles ziemlich lustige zeitgenossen.


Jetzt aber mal zu meinen erlebnissen: wir haben bisher noch wenig richtig gearbeitet, aber eine menge einführungen in die arbeit von preda bekommen. Jedes projekt ist uns einzeln vorgestellt worden, es gibt hier echt ne menge zu tun und wir werden mitentscheiden düfen wo wir wie mitarbeiten wollen.

Bisher haben wir die sonntagsmesse bei den jungs gesehen und ein paar von ihnen kennengelernt...schienen total begeisert von unserer anwesenheit, wollten ständig high-fives von uns und sind insgesamt eine ordentlich quirlige truppe. Im bukang liwayway (neuer sonnenaufgang) home for boys leben zZt 42 jungs die von preda aus gefängnisen in manila und olongapo geholt worden sind. Sie bekommen terapeutische und jurstische unterstützung, schulvorbereitenden unterricht und\oder eine ausbildung und sollen langfristig in ihre familien reintegriert werden. Das center selber liegt außerhalb von olongapo, etwa 600min fahrt vom preda-haupthaus entfernt, in einer wunderschönen ländlichen umgebung. Dort gibt es auch eine farm, die strikt ökologisch arbeitet und wo sich die jungs ein taschengeld erarbeiten können. Die produkte kauft preda größtenteils selbst um den eigenbedarf an nahrung für die kids und besucher zu decken.
die Mädchen leben noch direkt am haupthaus, in 2 gruppen aufgeteilt. Die häuslich- und die kommerziell missbrauchten sind voneinander getrennt, da sie sehr unterschiedliche erfahrungen und hintergründe, und dementsprechend eine andere umgangsart untereinander haben. Für sie wird im moment ein neues wohnzentrum gebaut, etwa 30 min weg vom haupthaus. Die baustelle haben wir auch schon sehen können – beeindruckend. Die Wohnhäuser sind schon fertig, 3 Gebäude mit je 3 wohngruppen a 6 Mädels. Offene helle und große räume mit Küche, die einfach nur wunderschön sind. Am gemeinschaftsgebäude wird noch gebaut, ein großes 2stöckiges oktagon mit großem zentralen raum, der aufgrund der plexiglas-dachkonstruktion hell und sonnendurchflutet sein wird.

sonne – interessantes thema. Noch haben wir von ihr nicht viel gesehen, da es ständig regnet. Regenzeit halt. Der monsun, von zeit zu zeit in kooperation mit dem ein oder anderen taifun hat die letzte woche dafur gesorgt, dass einige geplante besuche anderer projekte ins wasser gefallen sind. Im wahrsten sinne des wortes, da das viele wasser nicht schnell genug abfliesst und die Straßen und Häuser unter wasser stehen. Aber keine sorge, preda ist an einem berghang gebaut, wir sind also nicht betroffen. Meine decke leckt allerdings, was recht nervig ist. Das wasser läuft auch in den lichtschalter, die neonroehre blitzt deswegen auch im ausgeschalteten zustand. Draußen kann mensch keinen schritt machen ohne pitschnass zu werden, regenjacken halten schweissbedingt auch nicht trocken. Seit gestern haben wir aber regenschirme, die beste investition bis jetzt. Richtig trocken wird eh nichts, dafür ist die luftfeuchtigkeit zu hoch. Ein komplett nasses tshirt hat über 48 stunden gebraucht bis es wieder halbwegs tragbar war. Der technik gefällt das auch nicht, meine laptoptastatur ist im dauerstreik, mein ipod mit einem nonexistenten dock verbunden und deshalb dauerstumm, das handy von niels gefällt sich im akkuverschwenden und muss alle paar stunden neu aufgeladen werden. Sonntagabend sind wir durch olongapo gewaatet, haben es aber noch hoch zu preda geschafft bevor die jeepneys nicht mehr durchkamen.

jeepneys sind die bunten ehemaligen us-militaerjeeps, die als kurzstreckenbusse benutzt werden. Die verschiedenen linien haben unterschiedliche farben, und eine fahrt funktioniert so: du winkst einen jeepney vom Straßenrand aus zu, er hält, du steigst ein und quetschst dich auf die Sitzbänke zwischen die bis zu 18 mitfahrer, gibst 8-20 peso durch nach vorne je nach streckenlänge und genießt die fahrt. wenn du aussteigen willst sagst du stopp - ’para‘ auf tagalog – und steigst wieder aus. So kommst du ziemlich günstig quasi überall hin. Wo keine jeepneys fahren gibt es tricycles, die aber etwas teurer  sind, 50-über 100 peso. Zur orientierung: 1euro sind etwa 58 peso, 1 peso also nichtmal 2cent.


von preda dauert es etwa 6-7 minuten nach olongapo, wo es märkte, geschäfte und malls gibt, wo wirklich alles verkauft wird was mensch nur brauchen könnte. Es gibt auch einige restaurants und bars, häufig mit karaoke oder musikbühne.
das essen bei preda ist echt lecker. Es gibt 3 gesunde mahlzeiten am tag, immer mit frischem obst. Mango, papaya, bananen, melonen, ... und sie schmecken einfach herrlich. Bananen zb sind innen fast genauso gelb wie aussen, etwas halb so groß und unbeschreiblich viel leckerer als die hochgezüchteten und im container gereiften bananen die in europa gegessen werden. Reis gibt es 2mal am tag, zusammen mit verschiedenen beilagen aus fisch fleisch tofu und gemuese, ab und zu auch nudeln. Zum fruehstueck gibt es toast mit pappsuesser erdnussbutter, coco jam, einem sirupartigen verdammt leckeren kokosmilchprodukt, spiegelei, mais und einige leckere phlippinische backwerke, gebratene bananen, usw. Hier vegetarisch leben klappt gut, nur ab und zu gibt es keine fleischlosen soßen. Verhungern werd ich jedenfalls definitiv nicht!
ab morgen bekommen wir auch tagalog-unterricht. Offiziellen jedenfalls– inoffiziell lernen wir nämlich schon die ganze zeit neue ausdrücke, wörter, die sprachmelodie, etc. Bei der messe am Sonntag habe ich immer wieder einzelne wörter erkannt und verstanden, die lieder konnten wir dank text auch mitsingen – so erfolgserlebnisse direkt am anfang geben ein unglaublich gutes gefühl und lassen die hoffnung sprießen sich bald mit allen gut unterhalten zu können. Die kommerziell missbrauchten mädchen sprechen alle gut englisch, die mitarbeiter auch, die jungs und häuslich missbrauchten mädels aber weniger bis garnicht. Da niels und ich aber viel mit den jungs arbeiten werden-wollen ist es schon für die arbeit echt hilfreich, tagalog\philipino zu sprechen, abseits davon natürlich erst recht. Philipino ist übrigens die bezeichnung der nationalsprache, die ursprünglich die regionalsprache im raum manila, tagalog, war. filipino hat einige koloniale spracheinflüsse konserviert, spanisch und US-english. Tagalog/philippino ist jedoch nicht die muttersprache aller philippin@s, nicht mal die der mehrheit.

Fazit: mir gehts hier super, ich hab total bock auf die arbeit und das land  und die paar unannehmlichkeiten lass ich einfach links liegen. Soviel erstmal für heute, es grüßt hocheuphorisch

ich

angekommen

Mittwoch, 14.08.2013

Dienstag nacht. im nächtlichen landeanflug ist manila ein nicht enden wollendes lichtermeer, das mir molochartigen ausmaße der megacity metro manila ziemlich eindrücklich vor augen führt. hatten wir zur überquerung von düsseldorf gefühlt nur wenige sekunden gebraucht, so konnten wir die aussicht auf manila minutenlang genießen.

am flughafen dann das erste problem: patrizia, mit esther zusammen die freiwillige von MISEREOR, vermisst ihren pass. trotz anhaltender suche mit unterstützung der cabin crew und des piloten bleibt er verschwunden und mittlerweile sitzt uns die philippinische einwanderungsbehörde im nacken. kein pass – kein bleiberecht! kurz bevor patrizia in den flieger zurück gesetzt wird, kommt ein anruf von unserem zwischenstopp in dubai. der pass ist dort aufgefunden worden und wird mit dem nächsten flieger nach manila gebracht. ankunft: morgen  4pm. ok  - nochmal mit dem schrecken davongekommen, denken wir, aber zu früh gefreut: ohne pass soll strotzdem zurück und dann mit pass wiederkommen. dann auf einmal entwarnung, sie darf im transitbereich der einwanderungsbehörde übernachten und auf den pass warten. inzwischen ist es 23.30, wir sind vor ca 1 ½ stunden gelandet. plötzlich taucht der flughafen mitarbeiter wieder auf und verkündet die nächste hiobsbotschaft. weil patrizia heute eingereist ist, der pass aber erst morgen ankommt müsste der einreisestempel rückdatiert werden. das ist aber illegal, also muss sie doch zurückreisen. dann, nach ein paar weiteren schreckminuten erlaubt die behörde ihr doch, am flughafen zu übernachten, wenn sie in einem formellen brief ihre situation erkärt und um einreise bittet. erleichtert setzen niels, esther und ich uns in ein taxi und fahren zum hostel und informieren father shay cullen, den leiter von PREDA über das problem. mittlerweile ist es nach 2 uhr morgens.

Mittwoch. erstmal ausschlafen, dann ein kurzer streifzug, die straße am hostel entlang. da wir auf eine mitarbeiterin von PREDA warten sollen drehen wir aber recht bald um und setzen uns in die lounge. und warten. gegen 3pm kommt joanne von PREDA an. aber von patrizia haben wir nichts mehr gehört. sie wollte sich nach der erfolgreichen einreise in hoffentlich wenig mehr als einer stunde in ein taxi setzen und herkommen. also warten. weil patrizia die 99ct anrufgebühr fehlen können wir sie auch nicht anrufen. nach einem unverständlichen, weil mit schlechter verbindung geführten telefonat über geborgte handies fahren wir mit joanne zum flughafen um formulare fürs immigration office auszufüllen und patrizia hoffentlich mitzunehmen. nix da! das office hat schon zu, also muss sie eine weitere nacht in der lounge bleiben. joanne fährt weiter zum flughafen, wir machen uns mit dem fahrer endlich auf den weg nach olongapo. 3 stunden später, inzwischen 1 am, kommen wir an.

nach einer sehr herzlichen begrüßung wird uns unsere unterkunft im hauphaus gezeigt. niels und ich teilen uns einen abschließbaren bereich im oberste, dem 3. stock mit 2 zimmern, 2 duschen und 2 klos. auf der selben etage ist eine riesige terasse, die einen atemberaubenden ausblick über die subic bay bietet. ich lege mich direkt ins bett, liege aber wegen jetlag, der wärme und einem enervierend durchdringenden piepton von irgendwo draußen noch eine ganze weile wach. gut dass ich morgen noch ausschlafen kann.

 

warten auf adé

Montag, 05.08.2013

so langsam aber sicher ging es schon die ganze letzte zeit auf die ausreise zu. aber irgendwie war der abschied und der flug trotzdem immer sehr weit weg. rational war mir natürlich klar, dass es bald losgeht, aber diese erkenntnis ist lange zeit nur im kopf geblieben. ab und zu gab es situationen in denen das ganze konkreter wurde, z.B. wurde ein projekt besprochen, oder es fragten leute, ob wir auf das und das konzert oder festival oder in den urlaub fahren sollen. ab und zu hab ich selber einen moment gebraucht um zu merken, dass ich dann überhaupt nicht in deutschland sein werde. an so kleinen konkreten dingen wird das große fragezeichen auslandsjahr etwas greifbarer, wenn auch nur durch negation. das was ich nicht erleben werde zeigt mir zumindest auf, dass ich andere dinge mitbekommen werde, auch wenn sie selbst noch nur vorfreude und erwartung sind.
je näher der abflug rückt, desto mehr rückt noch etwas anderes in mein blickfeld: abschied. von freunden, familie, bekannten. von gewohnten orten. von gewohnheiten und vermeintlichen selbstverständlichkeiten. von zuhause in allen dimensionen. durch köln laufen und freunde treffen wird mitlerweile zum abschied auf raten, ich weiß nicht mit gewissheit wen oder welchen ort ich bald oder erst wieder in über einem jahr sehen werde. ein bisschen nachdenklich stimmt mich das ab und zu schon, aber an sich bin ich mit diesem unaufgeregten stressarmen abschied ziemlich zufrieden. nach dem 10-tägigen vorbereitungsseminar und einem kleinen urlaub im anschluss habe ich jetzt noch 7 tage zuhause, die etwas expliziter im zeichen von abschied stehen. mal schauen…

die andere seite der medaille ist natürlich die vorfreude. auf …, ja auf was eigentlich?  ich merke grade selber, das es mir schwerfällt, auf diese frage eine antwort zu finden. eine die ich aufschreiben kann zumindest. gerade habe ich 2mal eine kurze liste mit stichpunkten wieder gelöscht, da sie die vorfreude als ganzes nicht beschreiben können. außerdem liegt ein reiz der vorfreude gerade darin, nicht genau zu wissen worauf, sich aber kräftig zu freuen. so geht es mir zumindest.

das nächste mal schreib ich dann von drüben, fühlt euch umarmt, eure hände geschüttelt, gedrückt oder was immer ihr abschiedsmäßig so mögt!

zum letzten mal synkron mit eurer uhr
ich

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